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11.02.2015

DZHK-Teilförderung des KNHI läuft seit Anfang 2015

Nach dem Auslaufen der BMBF-Förderung Ende 2014 wird das Kompetenznetz Herzinsuffizienz in den Jahren 2015 bis 2018 vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) partiell unterstützt. Gefördert werden ein Longterm-Follow-Up (Kohortenstudie) sowie das Datahosting an der ZKS Leipzig.  Die Geschäftsstelle  des Kompetenznetzes befindet sich weiter im Gebäude des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) am Uniklinikum Würzburg und wird nach Fertigstellung 2016 mit in das neue Forschungsgebäude des DZHI umziehen.

Die wichtigsten DZHK-geförderten Projekte sind die folgenden Studien:

1. Diastolische Herzinsuffizienz

In dieser Studie wurde die Entstehung der diastolischen Herzinsuffizienz erforscht. Ziel war es, eine genetische Veranlagung zu ermitteln und erstmals ein verlässliches, kosteneffektives und nicht-invasives Diagnoseschema für diastolische Herzinsuffizienz zu erarbeiten.

Aus dem Teilprojekt sind zwei Drittmittel geförderte Therapiestudien hervor gegangen, die den Nutzen von körperlichem Training (Ex-DHF-Studie) sowie einer Aldosteron-Rezeptor-Blockade (Aldo-DHF) bei diastolischer Herzinsuffizienz klären.

2. Die inflammatorische dilatative Kardiomyopathie als Manifestation einer autoimmunen Diathese

Kardiomyopathien sind die dritthäufigste Ursache der Herzinsuffizienz. Die häufigste Form unter den Kardiomyopathien ist die dilatative Kardiomyopathie (DCM), bei der es zu einer Erweiterung der Herzhöhlen mit Funktionsverlust kommt. Als Ursache für die Entstehung der DCM wird ein multifaktorielles Geschehen aus familiären, autoimmunen und viralen Faktoren vermutet, aber auch die Beteiligung von Modifier-Genen bzw. Umweltfaktoren wird diskutiert. Familiäre Formen scheinen in bis zu 40 Prozent der Fälle die DCM auszumachen. Bei einem Teil dieser Patienten dürfte eine autoimmune Störung bzw. Fehlregulation vorliegen. Diese kann offenbar beim Einzelnen – getriggert durch eine besondere Verletzbarkeit des Myokards, z. B. infolge einer Infektion mit kardiotropen Viren, oder Umweltfaktoren – zur Ausbildung des Krankheitsbildes der inflammatorischen DCM führen.

Diese Studie intendierte, das Verständnis der Pathogenese der DCM zu verbessern, wobei eine ausführliche Familienanamnese inkl. Stammbaum erhoben wurde und – soweit möglich – alle Familienangehörigen eingeschlossen wurden. Besondere Berücksichtigung fanden die Fragestellungen, ob es 1.) in Familien mit DCM eine genetische Assoziation zu Autoimmunerkrankungen bzw. Infektionserkrankungen gibt und 2.) neben einer genetischen Assoziation bzw. Prädisposition auch eine veränderte Regulation der Expression dieser Gene gibt.

3. Herzinsuffizienz und kardiovaskuläre Erkrankungen bei HIV-infizierten Personen

Die Infektion mit dem HI-Virus betrifft nicht nur das Immunsystem des menschlichen Organismus. Weitere Organsysteme, einschließlich des Herzens, sind ebenso mit betroffen. Durch die Einführung neuer Therapiekonzepte zur Behandlung der HIV-Infektion in den letzten Jahren gelang es, die Immunlage der Mehrzahl der HIV-positiven Patienten nachhaltig zu verbessern. Trotz fehlender Kenntnisse über Langzeiteffekte finden die neuen Therapiekonzepte in den westlichen Industrieländern verbreitete Anwendung. Das Nebenwirkungsspektrum der antiretroviralen Therapie lässt einen Anstieg kardialer Erkrankungen erwarten. Unklar ist, ob in den nächsten Jahren Krankheiten wie die dilatative Herzinsuffizienz eine lebenszeitbegrenzende Rolle in diesem Patientenkollektiv einnehmen werden. Zur HIV-assoziierten Kardiomyopathie und deren Ursachen liegen bisher weder in Deutschland noch international verlässliche Daten vor.

Diese Studie erfasst die Inzidenz der dilatativen Kardiomyopathie bei HIV-positiven Patienten unter Berücksichtigung des Geschlechts, des Stadiums der HIV-Infektion und der antiretroviralen Therapie. Daneben Informationen über Pathomechanismen,  Verlauf und Prognose der Erkrankung gewonnen. Die Daten können somit zur Früherkennung und Entwicklung präventiver Maßnahmen beitragen.

4. Multizentrische Therapiestudien – CIBIS-ELD Trial

Die medikamentöse Therapie der Herzinsuffizienz hat sich in den letzten 20 Jahren grundlegend gewandelt. Betablocker sind heute unverzichtbar. Ihr Einsatz wird von den nationalen und internationalen Fachgesellschaften bei allen Patienten unabhängig von ihrem Alter empfohlen. Ältere Patienten stellen die größte Gruppe der an Herzinsuffizienz Erkrankten: 90% der Herzinsuffizienten sind über 65 Jahre alt. Aus Furcht vor Nebenwirkungen bei multipler Begleitmedikation und Komorbidität wird jedoch gerade den älteren Patienten diese Therapie häufig vorenthalten. Erschwerend kommt hinzu, dass in den bisherigen großen Studien zur Betablockertherapie die Studienpatienten im Durchschnitt viel jünger waren, als es der Wirklichkeit entspricht.

Eine international anerkannte Studiengruppe „Multizentrische Therapiestudien bei Herzinsuffizienz“, die sich aus Mitarbeitern der im Kompetenznetz kooperierenden Zentren und Experten aus allen Teilbereichen der Kardiologie, Herzchirurgie sowie der Biometrie und Statistik zusammensetzte, wurde aufgebaut. Ziel war es, die Qualität der klinischen Therapiestudien auf dem Gebiet der Herzinsuffizienz zu verbessern.

Die CIBIS-ELD ist eine GCP-konforme, Investigator-initiierte, randomisierte, kontrollierte, doppelblinde Multicenter-Studie (Phase III), in der die Effekte von Bisoprolol vs Carvedilol bei Patienten im Alter >/=65 Jahre und systolischer bzw. diastolischer Herzinsuffizienz verglichen werden. 

5. Krankheits-Management bei chronischer Herzinsuffizienz (INH-Studie)

Im Gegensatz zu anderen chronischen Erkrankungen (z. B. dem Diabetes mellitus) gibt es in Deutschland für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz kaum strukturierte Betreuungsprogramme. Dabei ist die Prävalenz der Herzinsuffizienz hoch und mit dem demographischen Wandel und den Fortschritten der Akuttherapie immer weiter im Zunehmen begriffen, so dass auch die Zahl der Erst- und Widereinweisungen wegen Herzinsuffizienz stetig weiter ansteigt. Die stationär begonnene Pharmakotherapie der Herzinsuffizienz wird in der ambulanten Weiterbetreuung der Patienten oft nur unzureichend fortgesetzt, und die Patienten-Compliance ist bekanntermaßen schlecht. Letzteres ist der häufigste Grund dafür, dass die Betroffenen schon kurzfristig wieder in ein Krankenhaus kommen. Deshalb ist es besonders wichtig, innovative Strategien zu entwickeln, die ambulante und stationäre Behandlung stärker verzahnen.

In einer randomisierten, kontrollierten, offenen Studie wurde untersucht, wie sich im Vergleich zu herkömmlicher Betreuung ein besonderes Krankheitsmanagementprogramm auswirkt. Das Programm umfasst evidenzbasierte Medikation, Stärkung der Compliance durch am Patientenkontakt beteiligtes spezialisiertes Pflegepersonal, bedarfsgerecht telefonisch unterstütztes Patientenmonitoring und Patientenschulung (HeartNetCare-HF™). Im Ergebnis wurde  bestätigt, dass durch HeartNetCare-HF™ die Sterblichkeit von herzinsuffizienten Patienten gesenkt und ihre Leistungsfähigkeit und Lebensqualität gesteigert wird.

Weitere Projekte des Kompetenznetzes Herzinsuffizienz befinden sich in Vorbereitung.