Patientenberichte

Eine Herzschwäche hat viele Gesichter. Jede Krankheitsgeschichte ist individuell. Lesen Sie hier zwei Geschichten von Menschen, die an einer Herzschwäche leiden.

“Ich fühle mich heute sehr wohl”

Alfred Hemmerich führt trotz seiner Herzschwäche-Erkrankung ein erfülltes Leben: er geht seinen sportlichen Aktivitäten nach und hat viele soziale Kontakte. Seine positive Lebenseinstellung und aktive Lebensweise helfen ihm dabei, optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Zum ersten Mal spürte Alfred Hemmerich die Enge in seinem Brustkorb 2004 in einem Urlaub in Ägypten. Der damals 62-Jährige litt unter heftiger Atemnot, musste sich übergeben und bekam starken Durchfall.

Eine Untersuchung daheim in Würzburg ergab schnell, dass mit seinem Herzen etwas nicht stimmte. Hinterwandinfarkt lautete die ernüchternde Diagnose. Bereits wenige Tage später wurde er operiert. Kardiologen implantierten ihm zwei Stents, die seine verengten Blutgefäße weiten sollten. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus fühlte sich der pensionierte Lokomotivführer gut. Er konnte seinen Hobbies zunächst wieder uneingeschränkt nachgehen. Wie angegriffen seine Gesundheit noch war, stellte er jedoch wenige Monate später bei einer Wanderung fest. Die 20 Kilometer lange Tour schaffte er nur unter großer Anstrengung. Atemnot und Schmerzen kehrten zurück. Weitere kardiologische Untersuchungen folgten. Sie ergaben eine hochgradig erweiterte linke Herzkammer (LVDd 77mm) sowie einen deutlich erweiterten linken Vorhof (LA 50 mm). Die Pumpleistung seines Herzmuskels entsprach nur noch der eines Drittels von einem gesunden Menschen. In einem chirurgischen Eingriff wurden ihm vier Bypässe gelegt.

Hilfsangebote nutzen

Seit dem Schicksalsjahr 2004 leidet Alfred Hemmerich an chronischer Herzschwäche, ausgelöst durch seinen Herzinfarkt. Auch wenn die zurückliegende Zeit körperlich und seelisch belastend war, hat sich der Pensionär mit dem Blick für die schönen Dinge im Leben seinen Optimismus bewahrt. Kraft haben ihm neben seiner inneren Einstellung vor allem seine Frau und seine Familie gegeben. Der passionierte Naturfreund verbringt viel Zeit mit seinen zwei Kindern und drei Enkelkindern. Zentrale Anlaufstelle ist für ihn seit 2005 die Herzschwäche-Ambulanz des Universitätsklinikums Würzburg, die 2010 im „Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz“ aufgegangen ist. Dort steht ihm eine Betreuungsschwester zur Seite, die er jederzeit erreichen kann, wenn es ihm nicht gut geht. „Gerade in Krisenzeiten hat mir der regelmäßige Kontakt mit ihr neuen Auftrieb gegeben“, erzählt Alfred Hemmerich. Auch hat sich der Würzburger von Anfang an gut über die Erkrankung informiert. „Durch Gespräche mit Fachärzten und Ratgeberliteratur konnte ich den Krankheitsverlauf besser verstehen und einordnen. Das gibt mir ein Gefühl von Sicherheit“, so Hemmerich.

Leben mit einem Defi

2010 folgte schließlich ein weiterer Einschnitt: Alfred Hemmerich wurde ein Defibrillator implantiert. Dieses kleine Gerät, in der Fachsprache ICD genannt, erkennt Herzrhythmusstörungen und beendet diese im Ernstfall. An seinen neuen Begleiter hat sich Alfred Hemmerich gewöhnt. Er kann gut mit ihm leben und fühlt sich durch ihn sicherer. „Eine runde Sache“, sagt er mit Blick auf den Eingriff. Halbjährlich lässt er seinen ICD überprüfen.

Schlüssel zum Erfolg

Trotz seiner Erkrankung ist Alfred Hemmerich ein aktiver Mensch geblieben. „Ich fühle mich heute sehr wohl“, äußert er sich. Wandern in der nahe gelegenen Rhön, Sport und Gartenarbeit sind seine Hobbies, denen er bis heute nachgeht. An guten Tagen meistert er längere Wanderungen mit einer Länge von bis zu 15 Kilometern. Ihm ist es auch gelungen, seine sozialen Kontakte zu pflegen. Neben seiner Familie umgibt er sich gern mit Freunden und Bekannten aus dem Tanzkreis, dem er seit Jahren die Treue hält. Seine positive Lebenseinstellung und aktive Lebensweise helfen ihm dabei, trotz der Erkrankung optimistisch durch das Leben zu gehen. Alfred Hemmerich hält es für sehr wichtig, sich gut über die Erkrankung zu informieren und die verschiedenen lokalen, regionalen und bundesweiten Hilfsangebote zu nutzen. „Aufklärung ist unerlässlich“, lautet sein Rat.

 

“Ich meistere meinen Alltag gut”

Theo Scheller (66) leidet seit einigen Jahren unter einer schweren Herzschwäche. Sein enger Kontakt zu Ärzten und Pflegekräften hat ihm geholfen, mit den Veränderungen in seinem Leben zu Recht zu kommen und auch in schwierigen Phasen nach vorne zu schauen.

„Als Sanitäter habe ich eine Würzburger Rettungswache geleitet. Während eines Notfalldienstes 1989 erlitt ich einen Hinterwandinfarkt und eine Bypass-Operation war nötig. 2005 wiederholte sich dieses Ereignis: Kurz vor meiner zweiten Bypass-OP hatte ich noch einen Infarkt. Im gleichen Jahr wurde bei mir auch die Herzschwäche diagnostiziert. 2006 habe ich einen Herzschrittmacher bekommen.

Tiefe Veränderungen

Nach der OP hat es einige Zeit gedauert, bis ich wieder auf die Füße gekommen bin. Durch meine Krankheit hat sich in meinem Leben viel geändert. Für mich war es eine große Hilfe, dass ich in der Klinik eine sehr gute medizinische und persönliche Betreuung bekommen habe. Ich habe mich entschieden, an einer klinischen Studie teilzunehmen, bei der Herzschwäche-Patienten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus telefonisch von einer Schwester weiterbetreut werden. Zu meiner Study-Nurse und dem Studienteam habe ich ein enges Vertrauensverhältnis aufgebaut. Die regelmäßigen Gespräche haben mir gerade auch in schwierigen Phasen Kraft gegeben und mir bei der Strukturierung meines Alltags geholfen. In den letzten Monaten ging es meinem Herzen nicht so gut. Die Herzschwäche hat sich auf meine Niere ausgewirkt, ich musste zur Dialyse. Nun planen die Ärzte, mir ein Herz-Unterstützungssystem zu implantieren.

Zufriedenes Leben

Ich führe trotz meiner Krankheit ein zufriedenes Leben und meistere meinen Alltag alleine gut. Ich kann mich selbst versorgen, waschen, bügeln, kochen. Meine Ernährung habe ich umgestellt, esse wenig Fleisch und koche salzarm. Leider haben sich meine Frau und ich 2007 getrennt. In meinem Alltag unterstützen mich mein Sohn und befreundete Familien, die nach mir schauen und gelegentlich den Einkauf für mich übernehmen. Um mich mit Gleichgesinnten auszutauschen, habe ich mich einer Selbsthilfegruppe in Würzburg angeschlossen. Wir treffen uns monatlich, machen gemeinsam Ausflüge oder hören uns Vorträge an. Die sozialen Kontakte tun mir gut. Ich schaue nach vorne und weiß: Es geht weiter.“