Leben mit Herzschwäche

Wenn Sie an einer Herzschwäche erkrankt sind, können Sie viel tun, um Ihre Gesundheit und Ihre Lebensqualität positiv zu beeinflussen. 

Eine Herzschwäche bringt verschiedene Einschränkungen im Alltag mit sich, die früher oder später sehr wahrscheinlich dazu führen, dass Sie Ihren Lebensstil an die Erkrankung anpassen müssen. Wenn Sie die körperlichen Symptome der Herzschwäche gut kennen und einschätzen können, dann hilft es Ihnen, die Behandlung positiv zu beeinflussen. Die häufigsten Beschwerden erläutern wir Ihnen in diesem Kapitel genauer. Suchen Sie sich einen Arzt, dem Sie vertrauen und an den Sie sich jederzeit wenden können. Er berät Sie zu Ihrer individuellen Krankheitssituation.

Welche Krankheitssymptome können auftreten und wie kann ich mit ihnen umgehen?


Luftnot

Luftnot ist eines der häufigsten Symptome einer Herzschwäche. Sie tritt häufig erst bei größeren und länger andauernden körperlichen Anstrengungen auf. Wenn man größere Anstrengungen vermeidet und öfter mal eine Ruhepause einlegt, kann man sein Leben relativ unbeeinträchtigt weiterführen. Nimmt die Luftnot jedoch plötzlich zu, so ist eine Vorstellung beim behandelnden Arzt unbedingt notwendig. Eine innerhalb von wenigen Stunden zunehmende Luftnot stellt einen medizinischen Notfall dar und sollte in einer Notaufnahme oder Rettungsstelle behandelt werden. Tritt nachts eine plötzliche Luftnot auf, ist dies in der Regel ein Zeichen für eine Lungenstauung. Dies bedeutet, dass sich Wasser in der Lunge sammelt und die Atmung behindert. Auch in diesem Fall sollte zeitnah der Arzt aufgesucht werden. Ziel der ärztlichen Untersuchung ist es, die Ursache für die schnell zunehmende Luftnot herauszufinden und die Beschwerden zu behandeln.

Schwellungen an Füßen, Bauch und Händen

Menschen mit Herzschwäche haben oft eine eingeschränkte Nierenfunktion, die durch die Herzschwäche selbst oder die Medikamente bedingt ist. Wenn die Herzfunktion schlechter wird, können oben genannte Symptome durch eine verminderte Flüssigkeitsausscheidung und Einlagerungen von Flüssigkeit im Weichteilgewebe auftreten. Deshalb sollte ein Arzt konsultiert werden, der dann die Medikation anpassen kann. Darüber hinaus ist es sinnvoll, täglich das Körpergewicht zu notieren, die empfohlene tägliche Trinkmenge einzuhalten und wenig Kochsalz zu konsumieren. Wer unter Wassereinlagerungen leidet, dem kann ein sogenanntes Gewichtsprotokoll helfen. Es zeigt an, wie sich die Einlagerung von Flüssigkeit im Körper verhält. Nimmt das Gewicht zu, kann das auf eine schlechtere Herzfunktion hinweisen.

Probleme beim Liegen

Bei einer Herzschwäche lagert sich zunehmend Flüssigkeit in weiche Körpergewebe, beispielsweise in die Haut, ein. Wenn Sie sich hinlegen, kommt es dabei zu einer Umverteilung des Blutvolumens und der Flüssigkeit in die Lunge, sodass Luftnot auftritt. Die Unfähigkeit flach zu liegen, weist auf eine höhergradige Herzschwäche und/oder auf eine nicht ausreichende medikamentöse Therapie hin.

Schwindel

Bei einer Herzschwäche ist der Blutdruck oft relativ niedrig, ohne irgendwelche Symptome oder Beschwerden zu verursachen. Die Medikamente führen zu einer weiteren, jedoch nur sehr geringen Senkung des Blutdrucks. ln seltenen Fällen führt der niedrige Blutdruck phasenweise zu einer Unterversorgung des Gehirns mit Blut. Aus dieser Unterversorgung resultiert ein Schwindelgefühl. Viel häufiger kann es jedoch bei einer Herzschwäche zu Störungen des Herzrhythmus kommen. Diese Störungen können ebenfalls zu einer Einschränkung der Pumpleistung führen, sodass vorübergehend Schwindelgefühle auftreten. Sowohl bei niedrigem Blutdruck als auch bei Herzrhythmusstörungen ist eine weitere kardiologische Abklärung dringend geboten.

Ängste und Depressionen

Durch die Herzschwäche scheinen manche Aktivitäten, die früher selbstverständlich waren, nicht mehr möglich. Manche Menschen reagieren auf die Erkrankung mit Angst, Unsicherheit, Traurigkeit oder sie verspüren keinen Antrieb mehr. Diese Gefühle sind ein wichtiger Teil der Krankheitsbewältigung. Versuchen Sie positive Schritte einzuleiten, damit Sie sich besser fühlen. Sprechen Sie mit Ihrer Familie oder vertrauten Personen über Ihre Erkrankung und Ihre Gefühle und bitten Sie um Unterstützung. Wenn Lustlosigkeit, Niedergeschlagenheit und Erschöpfung sehr zunehmen, können diese auch Anzeichen einer Depression sein. Manchmal wirken die Medikamente in einer Weise zusammen, dass sie zu psychischen Beschwerden führen. Dann sollten Sie mit Ihrem Arzt sprechen.

Welche Auswirkungen hat die Erkrankung auf mein Leben und welche Gewohnheiten muss ich umstellen?

Ernährung und Trinken

Es ist bei einer Herzschwäche sehr wichtig, die Salzmenge in der Ernährung zu reduzieren, da Salz im Körper das Wasser bindet. Das erschwert wiederum die Herzarbeit mit der Folge von Schwellungen an den Füßen, Atemnot, Appetitlosigkeit und Gewichtszunahme. Eine herzgesunde Ernährung ist also eine salzarme Ernährung. Salzreduktion heißt, die gesamte tägliche Salzzufuhr auf einen Teelöffel zu beschränken (ca. 5-6 g Salz), inklusive des versteckten Salzes, welches in (fertigen) Lebensmitteln enthalten ist. Die Sorge, dass das Essen nicht mehr schmecken könnte, ist unberechtigt. Die Empfindlichkeit, Salz zu schmecken, stellt sich nach zwei bis drei Wochen auf einen niedrigeren Salzkonsum ein und das Essen schmeckt wie bisher. Auf Alkohol und Zigaretten sollten Sie möglichst ganz verzichten oder den Konsum auf ein geringes Maß reduzieren.

Sexualleben

Solange Sie leichte körperliche Tätigkeiten ausüben können, müssen Sie Ihr Sexualleben nicht einschränken. Viele Betroffene und deren Partner befürchten oft, dass Sex gefährlich sein könnte. Sprechen Sie offen mit Ihrem Partner und Ihrem Arzt über Ihre Bedenken. Solange keine Atemnot, kein Schwindel und kein stärkeres Druckgefühl im Brustkorb empfunden werden, besteht kein Grund zur Sorge. Bei einer höhergradigen Herzinsuffizienz ist die körperliche Leistungsfähigkeit tatsächlich herabgesetzt. Der Erwartungsdruck kann ein zusätzlicher Stressfaktor sein. Wenn Sie in Ihrer Partnerschaft verständnisvoll aufeinander zugehen, muss das Sexualleben auch bei Herzschwäche nicht eingeschränkt sein. Bestimmte Medikamente können die Erregbarkeit des Mannes herabsetzen. ln diesem Fall sollte der Arzt zu Rate gezogen werden.

Sport und Bewegung

Regelmäßige körperliche Aktivitäten und Sport wirken sich positiv auf die Gesundheit aus – das gilt auch, wenn man an einer Herzschwäche leidet. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass körperliche Aktivitäten (etwa Ausdauersport oder Gartenarbeit) das Wohlbefinden von Patienten mit Herzschwäche erhöhen und dabei gesundheitlich meistens unbedenklich sind. Gut ist es, wenn Sie etwa 30 Minuten pro Tag zusätzlich zu ihren bisherigen Aktivitäten aktiv werden. Aber beginnen Sie langsam! Es kommt nicht auf Höchstleistungen an, sondern auf kleine Aktivitäten, bei denen sie sich gut fühlen (Faustregel: Man muss noch genug Luft haben, um sich mit dem Nachbarn unterhalten zu können). Bei grippalen Infekten, Fieber, Änderungen der Medikation, Zeichen der Flüssigkeitsüberladung, Auftreten von Luftnot oder übermäßiger Schwäche sollten Sie pausieren. Fragen Sie Ihren Arzt, welcher Sport für Sie geeignet ist. Vielleicht fühlen Sie sich in einer Herzsportgruppe gut aufgehoben. Dort treffen Sie andere Sportinteressierte und können unter Anleitung von speziell geschultem Personal trainieren.

Reisen

Aus ärztlicher Sicht ist gegen das Reisen prinzipiell nichts einzuwenden. Bei der Planung einer Reise sollte jedoch selbstkritisch überlegt werden, ob man die mit der Reise verbundenen Belastungen gut vertragen kann. Der Aufenthalt in Höhen über 2.000 Meter und im tropischen Klima kann das Herz belasten. Von Reisen in solche Regionen sollte deshalb Abstand genommen werden. Bei langen Flügen kann durch Bewegungsmangel, trockene Luft und unzureichende Flüssigkeitszufuhr das Risiko von Blutgerinnseln steigen. Diese können sich in den Körpervenen bilden, mit dem Blutstrom fortgeleitet werden und eine Lungenarterie verstopfen. Das kann lebensgefährlich sein. Wenn Sie eine schwere Herzinsuffizienz haben, sollten Sie auf lange Flugreisen lieber verzichten oder vorbeugend blutverdünnende Mittel gegen Thrombosen einnehmen. Der ärztliche Dienst der Fluggesellschaften kann dazu befragt werden.

Autofahren

Sofern sie keinen automatisch entladenden Defibrillator (Automatic lmplantable Cardioverter Defibrillator – AICD) haben, bestehen für das Autofahren keine festen Regeln. Einige Begleitsymptome der Herzschwäche können jedoch die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Dazu gehören Schwindel, Konzentrationsverlust, Müdigkeit, Merkfähigkeitsstörungen und Herzrhythmusstörungen. Die Medikamente führen in der Regel nicht zur Fahruntüchtigkeit. Wenn Sie sich unsicher sind, dann sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.