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TP 9a Die inflammatorische dilatative Kardiomyopathie als Manifestation einer autoimmunen Diathese

Hintergrund

Primär vom Herzmuskelgewebe ausgehende Erkrankungen – die Kardiomyopathien – sind die dritthäufigste Ursache der Herzinsuffizienz. Die häufigste Form unter den Kardiomyopathien ist die dilatative Kardiomyopathie (DCM), bei der es zu einer Erweiterung der Herzhöhlen mit Funktionsverlust kommt. Als Ursache für die Entstehung der DCM wird ein multifaktorielles Geschehen aus familiären, autoimmunen und viralen Faktoren vermutet, aber auch die Beteiligung von Modifier-Genen bzw. Umweltfaktoren wird diskutiert. Familiäre Formen scheinen in bis zu 40 Prozent der Fälle die DCM auszumachen. Bei einem Teil dieser Patienten dürfte eine autoimmune Störung bzw. Fehlregulation vorliegen. Diese kann offenbar beim Einzelnen – getriggert durch eine besondere Verletzbarkeit des Myokards, z. B. infolge einer Infektion mit kardiotropen Viren, oder Umweltfaktoren – zur Ausbildung des Krankheitsbildes der inflammatorischen DCM führen.

Zielsetzung

Absicht dieses Teilprojektes ist es, das Verständnis der Pathogenese der DCM durch Antworten auf folgende Fragen zu verbessern, wobei eine ausführliche Familienanamese inkl. Stammbaum erhoben wird und alle Familienangehörigen – soweit möglich – eingeschlossen werden. Besondere Fragestellungen sind:

1.              Gibt es in Familien mit DCM eine genetische Assoziation zu Autoimmunerkrankungen/Infektionserkrankungen?
2.              Gibt es neben einer genetischen Assoziation bzw. Prädisposition auch eine veränderte Regulation der Expression dieser Gene?

Hauptergebnis

Mehr als 50 Prozent der Patienten mit Myokarditis, Perikarditis oder entzündlicher (inflammatorischer) Kardiomyopathie weisen eine Neigung zu Autoimmunerkrankungen auf. Bei diesen Patienten konnten genetische Varianten (Polymorphsten) verschiedener für Entzündungs- und Immunprozesse bedeutsamer Gene nachgewiesen werden, die die dilatative Kardiomyopathie begünstigen bzw. zur Abschätzung der Krankheitsprognose hilfreich sein können.

Schlüsselpublikationen

  • Portig I et al. Familial inflammatory dilated cardiomyopathy. Eur J Heart Fail. 2006;8:816-25.
  • Ruppert V et al. Gene expression profiling from endomyocardial biopsies allows distinction between different entities of inflammatory heart disease. J Thorac Cardiovasc Surg. 2008;136:360-369.
  • Ruppert V et al. Evidence for CTLA4 as a susceptibility gene for dilated cardiomyopathy. Eur J Human Gen. 2010;18:694-9.

Forschungsperspektive

Die Untersuchungen zu Diagnostik, Therapie und Verlauf der inflammatorischen dilatativen Kardiomyopathie werden mit Unterstützung der Firma Astra Zeneca multizentrisch weitergeführt. Verschiedenste Kooperationen innerhalb des Kompetenznetzes (u. a. mit Teilprojekt 6b und 5) setzen sich fort.

Kontakt

Prof. Dr. Bernhard Maisch
Universitätsklinikum Gießen und Marburg,
Klinik für innere Medizin – Kardiologie, Standort Marburg
Tel.: +49 (0)6421 5866462
E-Mail: ed.grubram-inu.demnull@hcsiam.drahnreb