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06.10.2016

Zerplatzter Traum für Herzschwächepatienten mit Schlafapnoe

Viele Herzschwächepatienten leiden an nächtlichen Atemaussetzern, der sogenannten zentralen Schlafapnoe. Würzburger Forscher um die Kardiologin Prof. Dr. Christiane Angermann waren an der multinationalen SERVE-HF Studie beteiligt, die entgegen der Erwartungen zeigte, dass Herzschwächekranke mit zentraler Schlafapnoe, die eine Atemhilfe benützten, nicht von der Therapie profitieren. Im Gegenteil war das Mortalitätsrisiko sogar erhöht, wenn sie nachts ein Atemgerät (Adaptierte Servo-Ventilation = ASV) verwendeten. Die Arbeitsgruppe hat nun in der renommierten Fachzeitschrift „Lancet Respiratory Medicine“ weitere Ergebnisse veröffentlicht, die zeigen, dass für dieses ungünstige Studienergebnis hauptsächlich plötzliche kardiovaskuläre Todesfälle vorwiegend bei Patienten mit besonders schlechter Pumpleistung verantwortlich waren.

In Europa leben derzeit schätzungsweise 15 Millionen Menschen mit Herzschwäche. Die Erkrankung geht häufig mit einer speziellen Atemstörung einher, der zentralen Schlafapnoe, die oft mit regelmäßigen Aussetzern, einer Cheyne-Stokes-Atmung, vergesellschaftet ist. Die Kombination beider Erkrankungen ist besonders gefährlich. Das Mortalitätsrisiko ist bei den Betroffenen deutlich erhöht und es treten belastende Symptome wie Tagesmüdigkeit und Sekundenschlaf auf. In der randomisierten multinationalen SERVE-HF Studie (Cowie MR et al, NEJM  2015; 373:1095-105) wurde daher getestet, ob sich eine Behandlung mit der sogenannten Adaptiven Servo-Ventilation (ASV) günstig auf den zusammengesetzten primären Endpunkt der Studie  auswirken würde, nämlich auf die Zeit, die bis zu einem ersten ungünstigen Ereignis vergeht, entweder bis zum Tod jeder Ursache, oder einer lebensrettenden kardiovaskulären Intervention wie einem Defi-Schock bei lebensbedrohlichen Herz-Rhythmusstörungen, oder aber bis einer ungeplanten Krankenhausaufnahme wegen verschlechterter Herzinsuffizienz. 

Die Mediziner hatten angenommen, dass die Atemtherapie positive Effekte auf die Herzschwäche haben würde, da der stockende Atem nicht mehr länger das Herz belasten würde. Diese Vermutung wurde durch die SERVE-HF Studie jedoch nicht bestätigt. Ganz im Gegenteil: SERVE-HF machte deutlich, dass ASV keinen Benefit für Patienten mit Herzschwäche und reduzierter Pumpleistung mit sich bringt. Die weiterführende Auswertung der Studiendaten, die in einem komplexen analytischen Modell die Komponenten des primären Endpunktes getrennt betrachtete, machte jetzt deutlich, dass das erhöhte Risiko vor Allem auf  kardiovaskuläre Todesfälle zurückzuführen war, die ohne vorherige Krankenhausaufnahme wegen sich verschlechternder Herzinsuffizienz auftraten, also wahrscheinlich auf plötzlichen Herztod. Besonders groß, nämlich um mehr als das 5-fache erhöht, war dieses Risiko, wenn die Pumpleistung besonders stark, also auf 30% oder weniger, erniedrigt war.

„Wir müssen heute weiterhin dafür plädieren, dass die adaptive Servo-Ventilation bei Patienten mit zentraler Schlafapnoe, Herzschwäche und eingeschränkter Pumpleistung des Herzens generell nicht mehr angewandt wird. Wir müssen gleichzeitig aber,  z.B. durch solche Analysen, oder auch durch große klinische Registerstudien, die den natürlichen Verlauf  beider Gesundheitsstörungen besser verstehen helfen, dringend herausfinden, was da eigentlich passiert“, sagt Christiane Angermann. „Durch welche Mechanismen verändert die gestörte Atmung die Symptome der Herzschwäche und erhöht das Risiko? Und wie sind diese Mechanismen therapeutisch unterbrechbar? – Die Forschung an der Volkskrankheit Herzschwäche und ihren Komorbiditäten und Komplikationen hat hier noch viel zu leisten.“

Publikationen:

Lancet Respir. Med. 2016. Published Online, August 31, 2016.
http://dx.doi.org/10.1016/S2213-2600(16)30244-2

www.thelancet.com/respiratory.Editorial. Published online August 31, 2016.
http://dx.doi.org/10.1016/ S2213-2600(16)30271-5